Nach drei Monaten voll neidischen Blicken auf die Surfer in meinem Stadtviertel habe ich es doch endlich geschafft, mir ein Surfbrett zu kaufen und mich waghalsig in die Wellen Salvadors zu stürzen. Mit dem Wissen, ein zu kleines Brett gekauft zu haben (der typische Anfängerfehler - und wer macht ihn?), habe ich zwei skeptische Versuche gestartet, mich mit meinem neuen Spielzeug anzufreunden. Ich hätte es wohl auch weiter (alleine)versucht, wenn nicht meine Mitbewohnerin Fernanda schon lange auf eine Surfkumpanin gewartet hätte, mit der sie endlich das Surfenlernen anpacken kann. Zu zweit sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass es sich wahrscheinlich doch besser in einer Surfschule lernt und so haben wir uns im Internet eine Schule rausgesucht, sind eines morgens zum Strand gefahren, um uns eine Stunde anzuschauen. Die Surfschule aus dem Internet haben wir natürlich nicht gefunden, sondern nur ein Strand, Wellen und viele viele Surfer. Etwas unentschlossen, haben wir uns erst einmal an den Strand gesetzt und so getan als würden wir uns sonnen. Ein paar Meter neben uns haben wir dann doch endlich zwei Typen erblickt, von denen der eine aussah, als würde er dem anderen das Surfen erklären. Etwas verschämt haben wir uns angenähert, "ääh hallo, wir suchen einen Surflehrer." Und danach war alles ganz einfach. Wir durften gleich mitmachen und haben daraufhin 6 Stunden gebucht, von denen uns versprochen wurde, dass wir danach bereits stehen können.
Mittlerweile haben wir die vierte Stunde hinter uns und Fernanda ist schon ganz wehmütig, dass nur noch zwei übrig sind.
Mir macht das Wellenreiten natürlich auch Spaß. Trotz dem Kampf gegen die Wellen, die einem ins Gesicht schlagen und mittlerweile literweise geschlucktem Wasser und einer etwas lädierten Nase kann ich mir im Moment nichts Besseres vorstellen.
Freitag, 13. November 2009
Donnerstag, 29. Oktober 2009
Ein neues Zuhause
Nach drei Monaten in einer Wohnung, die auch locker als Zoo durgehen würde, habe ich beschlossen, dass ich doch nicht so sehr auf Haustiere stehe, wie ich bisher gedacht hatte. Drei Katzen, die nie die Stubenreinigkeit erworben haben und der dementsprechende Geruch, gepaart mit dem von Desingfektionsmittel, kann man auf Dauer nicht ignorieren. Dazu meine partykranken Nachbarn und meine Vermieterinnen, die nichts besseres zu tun haben, als den ganzen Tag vor dem Fernseher zu hängen, das wurde für mein empfindliches Gemüt irgendwann zu viel.
Glücklichwerweise habe ich schnell ein neues Zimmer gefunden, in dem ich seit Sonntag wohne und mich bereits jetzt schon mehr als wohl fühle. Ich wohne jetzt in einer WG mit zwei Brasilianierinnen, die beide arbeiten und bis jetzt sehr sympatisch scheinen. Zumindest reden sie mit mir...
Die neue Wohnung liegt nur zehn Minuten von meiner alten, immer noch nah am Strand (allerdings ein anderer) und im gleichen Stadtteil Barra, in den ich einfach ein bißchen verliebt bin und den ich einfach nicht verlassen konnte.
Glücklichwerweise habe ich schnell ein neues Zimmer gefunden, in dem ich seit Sonntag wohne und mich bereits jetzt schon mehr als wohl fühle. Ich wohne jetzt in einer WG mit zwei Brasilianierinnen, die beide arbeiten und bis jetzt sehr sympatisch scheinen. Zumindest reden sie mit mir...
Die neue Wohnung liegt nur zehn Minuten von meiner alten, immer noch nah am Strand (allerdings ein anderer) und im gleichen Stadtteil Barra, in den ich einfach ein bißchen verliebt bin und den ich einfach nicht verlassen konnte.
Mittwoch, 14. Oktober 2009
Hella in Salvador
Da komme ich doch nun endlich mal wieder dazu, ein Lebenszeichen zu senden.
Nachdem mich Hella drei Wochen mit ihrer Anwesenheit in Brasilien beehrt hat, habe ich sie Samstag früh zum Flughafen gebracht und bin nun wieder auf mich alleine gestellt.
Schnell erholt vom kaum vermeidbaren Kulturschock einer Peru-Reisenden, die das erste Mal den freizügigen brasilianischen Boden betritt, durfte Hella meinen doch recht chaotischen Unialltag kennen lernen. Da die Professoren in der ersten Woche hauptsächlich mit ihrer Abwesenheit glänzten, hatten wir ein bisschen Zeit, um Salvador zu erkunden und auch ich habe einige neue Ecken kennen gelernt.

Hella mit Roniel und Clayton

Besungener Sonnenuntergang im Stadtteil Ribeira

Am Wochenende hieß es dann endlich reisen (nach über zwei Monaten Großstadtgeflüster war das für mich auch bitter nötig) und wir machten uns mit 13 (!) anderen hauptsächlich portugiesischen und spanischen Studenten auf ins von Touristen bevölkerte Paradies Morro de São Paulo.





Ein paar Tage später freuten wir uns in Ilhéus auf den Besuch einer Schokoladenfabrik, bei der wir allerdings nicht den Nachgeschmack bitterem Süßen, sondern den unserer teuren Buchung bei einer Reisenagentur in Erinnerung behalten werden. Das, was sich nach einer lohnenden Stippvisite im Paradies für Geschmacksnerven anhörte, entpuppte sich als reines Schokoladengeschäft, daneben zwei Fenster, in denen wir sehen konnten, wie die Angestellten die Schokolade rührten und in Papier einpackten. Verärgert darüber, dass wir Eintritt für ein Geschäft gezahlt hatten, nahmen wir uns vor, das nächste Mal, wenn wir etwas über Schokoladenherstellung lernen wollen, uns mit der TV-Werbung von Lindt zu begnügen.
Eine Brasilienreise wäre nicht vollständig, ohne nicht wenigstens einen Teil des vom Regenwald bedeckten Gebietes gesehen zu haben und so lies uns der Busfahrer am nächsten
Tag in der Mitte von Nirgendwo aussteigen, wo wir zusammen mit einer Familie aus der Schweiz und einem Guide zu einem Spaziergang durch das Ökoreservat in Una machten.


Und hier noch ein paar Bilder aus der Schildkrötenstation in Praia do Forte


Nachdem mich Hella drei Wochen mit ihrer Anwesenheit in Brasilien beehrt hat, habe ich sie Samstag früh zum Flughafen gebracht und bin nun wieder auf mich alleine gestellt.
Schnell erholt vom kaum vermeidbaren Kulturschock einer Peru-Reisenden, die das erste Mal den freizügigen brasilianischen Boden betritt, durfte Hella meinen doch recht chaotischen Unialltag kennen lernen. Da die Professoren in der ersten Woche hauptsächlich mit ihrer Abwesenheit glänzten, hatten wir ein bisschen Zeit, um Salvador zu erkunden und auch ich habe einige neue Ecken kennen gelernt.

Hella mit Roniel und Clayton
Besungener Sonnenuntergang im Stadtteil Ribeira
Am Wochenende hieß es dann endlich reisen (nach über zwei Monaten Großstadtgeflüster war das für mich auch bitter nötig) und wir machten uns mit 13 (!) anderen hauptsächlich portugiesischen und spanischen Studenten auf ins von Touristen bevölkerte Paradies Morro de São Paulo.



Ein paar Tage später freuten wir uns in Ilhéus auf den Besuch einer Schokoladenfabrik, bei der wir allerdings nicht den Nachgeschmack bitterem Süßen, sondern den unserer teuren Buchung bei einer Reisenagentur in Erinnerung behalten werden. Das, was sich nach einer lohnenden Stippvisite im Paradies für Geschmacksnerven anhörte, entpuppte sich als reines Schokoladengeschäft, daneben zwei Fenster, in denen wir sehen konnten, wie die Angestellten die Schokolade rührten und in Papier einpackten. Verärgert darüber, dass wir Eintritt für ein Geschäft gezahlt hatten, nahmen wir uns vor, das nächste Mal, wenn wir etwas über Schokoladenherstellung lernen wollen, uns mit der TV-Werbung von Lindt zu begnügen.
Eine Brasilienreise wäre nicht vollständig, ohne nicht wenigstens einen Teil des vom Regenwald bedeckten Gebietes gesehen zu haben und so lies uns der Busfahrer am nächsten
Tag in der Mitte von Nirgendwo aussteigen, wo wir zusammen mit einer Familie aus der Schweiz und einem Guide zu einem Spaziergang durch das Ökoreservat in Una machten.


Und hier noch ein paar Bilder aus der Schildkrötenstation in Praia do Forte


Montag, 7. September 2009
So langsam lichtet sich das dichte Gestrüpp des portugiesischen Sprachendjungels und ich bringe es sogar fertig mit geduldigen (!) Brasilianern so etwas wie eine Unterhaltung zu führen.
Auch wenn ich im Uniunterricht die meiste Zeit nur dasitze und mir die Leute angucke, beginne ich allmählich eine Ahnung davon zu haben, worum es in den Stunden geht.

Meine Sprachlosigkeit gilt hier allerdings nicht als Ausrede fürs Faulsein. Ich habe bereits zwei Referate gehalten und bereite gerade mein Drittes vor. Um einen Schein zu bekommen, erwarten die Dozenten hier relativ viel. In den meisten Kursen müssen zwei Leistungsnachweise erbracht werden, z.B. ein Referat und eine Klausur oder Hausarbeit. Dazu hat jeder Kurs in der Woche fünf Stunden, auch wenn das mit den Anfangs- und Schlusszeiten sehr locker gehandhabt wird. Sagt der Dozent, dass die Stunde um halb acht beginnt, dann erscheint er selber mindestens 10 Minuten später, der Großteil der Studenten lässt sich noch mehr Zeit.
In meiner Yoga-Stunde ist auch das kein Problem, die Dozentin erscheint regelmäßig eine halbe Stunde zu spät (Montags), Mittwochs ist sie noch nie erschienen. Wenn sie dann mal anwesend ist, verstehe ich immer noch kein Wort, bekomme aber irgendwie mit, dass sie über alles mögliche redet, nur nicht über Yoga. Sie schließt den Unterricht, der eigentlich für drei Stunden angesetzt ist, nach einer Stunde und ich gehe verwirrt wieder nach Hause.
Ich hab schon versucht, das Fach zu wechseln, was aber leider nicht mehr möglich ist. Ich kann also nur hoffen, dass es besser wird. Nächste Woche fangen wir angeblich mit dem praktischen Unterricht an...
Am Wochenende war ich mit der Familie von Luana in einem Dorf eine Stunde von Salvador, um ihre Großmutter zu besuchen und den Geburtstag ihres Vaters zu feiern.
Eine ordentliche kleine Stadt mit Blick auf grüne Hügel, die mir noch besser gefallen hätte, wenn nicht den ganzen Tag Werbung in einer Lautstärke, dass einem die Ohren abfallen, im gesamten Ort zu hören wäre. Es ist der Job einer der Dorfbewohner, die anderen mit eintöniger und nervtötender Werbung der hiesigen Geschäfte zu belästigen. Am schlimmsten ist, dass er die gleiche Werbung oft bis zu zehn mal wiederholt. Sogar ich konnte am Ende einge der Jingles mitsprechen. Man hat das Gefühl, man befindet sich in einem Irrenhaus, wenn die Beschallung morgens um 9 anfängt und erst mittags eine Pause einlegt.
Ansonsten war das Wochenende aber sehr erholsam. Wir haben nicht viel getan außer Schlafen, Faulenzen und uns von Lus Oma mit der Küche Bahias mästen lassen.

Lus Cousine ist geschockt, dass "alle ihre Daumen abnehmen können".
Auch wenn ich im Uniunterricht die meiste Zeit nur dasitze und mir die Leute angucke, beginne ich allmählich eine Ahnung davon zu haben, worum es in den Stunden geht.

Meine Sprachlosigkeit gilt hier allerdings nicht als Ausrede fürs Faulsein. Ich habe bereits zwei Referate gehalten und bereite gerade mein Drittes vor. Um einen Schein zu bekommen, erwarten die Dozenten hier relativ viel. In den meisten Kursen müssen zwei Leistungsnachweise erbracht werden, z.B. ein Referat und eine Klausur oder Hausarbeit. Dazu hat jeder Kurs in der Woche fünf Stunden, auch wenn das mit den Anfangs- und Schlusszeiten sehr locker gehandhabt wird. Sagt der Dozent, dass die Stunde um halb acht beginnt, dann erscheint er selber mindestens 10 Minuten später, der Großteil der Studenten lässt sich noch mehr Zeit.
In meiner Yoga-Stunde ist auch das kein Problem, die Dozentin erscheint regelmäßig eine halbe Stunde zu spät (Montags), Mittwochs ist sie noch nie erschienen. Wenn sie dann mal anwesend ist, verstehe ich immer noch kein Wort, bekomme aber irgendwie mit, dass sie über alles mögliche redet, nur nicht über Yoga. Sie schließt den Unterricht, der eigentlich für drei Stunden angesetzt ist, nach einer Stunde und ich gehe verwirrt wieder nach Hause.
Ich hab schon versucht, das Fach zu wechseln, was aber leider nicht mehr möglich ist. Ich kann also nur hoffen, dass es besser wird. Nächste Woche fangen wir angeblich mit dem praktischen Unterricht an...
Am Wochenende war ich mit der Familie von Luana in einem Dorf eine Stunde von Salvador, um ihre Großmutter zu besuchen und den Geburtstag ihres Vaters zu feiern.
Eine ordentliche kleine Stadt mit Blick auf grüne Hügel, die mir noch besser gefallen hätte, wenn nicht den ganzen Tag Werbung in einer Lautstärke, dass einem die Ohren abfallen, im gesamten Ort zu hören wäre. Es ist der Job einer der Dorfbewohner, die anderen mit eintöniger und nervtötender Werbung der hiesigen Geschäfte zu belästigen. Am schlimmsten ist, dass er die gleiche Werbung oft bis zu zehn mal wiederholt. Sogar ich konnte am Ende einge der Jingles mitsprechen. Man hat das Gefühl, man befindet sich in einem Irrenhaus, wenn die Beschallung morgens um 9 anfängt und erst mittags eine Pause einlegt.
Ansonsten war das Wochenende aber sehr erholsam. Wir haben nicht viel getan außer Schlafen, Faulenzen und uns von Lus Oma mit der Küche Bahias mästen lassen.

Lus Cousine ist geschockt, dass "alle ihre Daumen abnehmen können".
Sonntag, 16. August 2009
Erste Schritte in der Uni
Da saß ich also letzten Montag morgen, eine halbe Stunde zu früh, sprich um halb sieben (!), auf dem Sportgelände der Uni und wartete verheißungsvoll auf meine neuen Kollegen des Volleyballkurses.
Man mahle sich folgendes Bild: Eine Baracke, davor ein geteertes Basketballfeld. Zwei Fußballtore. Wo in aller Welt wollen die hier Volleyball spielen, fragte ich mich während der halben Ewigkeit, die ich in seliger Einsamkeit auf den Beginn des Unterrichts wartete. Die Antwort kam dann gegen 7 Uhr in Form der eintreffenden Turnlehrerin, die mir sagte, der Volleyballkurs fände in diesem Semester nicht statt, da sich nur vier Leute angemeldet hatten.
Nun gut, werde ich also turnen. Ganz gemütlich bildete ich im Seminarraum der Baracke mit den restlichen Studenten einen Sitzkreis, in dem erst einmal eine Runde Kaffee ausgeschenkt wurde. Jetzt musste ich mir allerdings die nächste Frage stellen? Wo wird hier geturnt? Ich sah weder Matten, noch Bänke oder irgendein Material, das auf die Möglichkeit zur körperlichen Ertüchtigung schließen lässt. Nur ein Steinfußboden. Mit Löchern.
Der Text, den wir bis morgen lesen müssen, erklärt das Ganze ein wenig. Lehrerinnen und Lehrer in Brasilien haben Schwierigkeiten, Turnen in den Unterricht zu integrieren, da ihnen schlicht und einfach das Material fehlt. Fangen wir mit dem Improvisieren also gleich in der Uni an.
Weiter im Stundenplan: Yoga. Zur ersten Stunde am Montagnachmittag erscheint die Lehrerin nicht. Mein Glück, denn ich hatte mir den Magen verdorben und musste mich darauf konzentrieren, nicht neben den Stuhl zu spucken. Mittwoch fand der Kurs dann zwar statt, der Inhalt blieb mir jedoch verborgen, da ich kein einziges Wort verstanden habe. Die Lehrerin spricht schnell und nuschelt. Zudem ist die Klimaanlage laut und der Raum hallt. Ich hab irgendwie noch mitbekommen, dass wir zu Hause „Atmen“ üben sollen.
Mein dritter Kurs ist so etwas ähnliches wie Trainingswissenschaften, in gemütlicher Runde von sieben Teilnehmern.
Drei Veranstaltungen hört sich nicht viel an, die Kurse sind hier allerdings auf mehr Stunden ausgelegt sodass ich mit meinem Portugiesischkurs gut 23 Stunden beschäftigt bin.
Den Kurs „Krafttraining“ habe ich gleich gestrichen. Wer will schon Samstags um 7 in die Uni gehen? Ich nicht. Den Tag habe ich lieber mit Luana und Leo (ihrem Freund) am Strand verbracht. Irgendeinen Vorteil muss die ganze Anstrengung hier schließlich haben.
Man mahle sich folgendes Bild: Eine Baracke, davor ein geteertes Basketballfeld. Zwei Fußballtore. Wo in aller Welt wollen die hier Volleyball spielen, fragte ich mich während der halben Ewigkeit, die ich in seliger Einsamkeit auf den Beginn des Unterrichts wartete. Die Antwort kam dann gegen 7 Uhr in Form der eintreffenden Turnlehrerin, die mir sagte, der Volleyballkurs fände in diesem Semester nicht statt, da sich nur vier Leute angemeldet hatten.
Nun gut, werde ich also turnen. Ganz gemütlich bildete ich im Seminarraum der Baracke mit den restlichen Studenten einen Sitzkreis, in dem erst einmal eine Runde Kaffee ausgeschenkt wurde. Jetzt musste ich mir allerdings die nächste Frage stellen? Wo wird hier geturnt? Ich sah weder Matten, noch Bänke oder irgendein Material, das auf die Möglichkeit zur körperlichen Ertüchtigung schließen lässt. Nur ein Steinfußboden. Mit Löchern.
Der Text, den wir bis morgen lesen müssen, erklärt das Ganze ein wenig. Lehrerinnen und Lehrer in Brasilien haben Schwierigkeiten, Turnen in den Unterricht zu integrieren, da ihnen schlicht und einfach das Material fehlt. Fangen wir mit dem Improvisieren also gleich in der Uni an.
Weiter im Stundenplan: Yoga. Zur ersten Stunde am Montagnachmittag erscheint die Lehrerin nicht. Mein Glück, denn ich hatte mir den Magen verdorben und musste mich darauf konzentrieren, nicht neben den Stuhl zu spucken. Mittwoch fand der Kurs dann zwar statt, der Inhalt blieb mir jedoch verborgen, da ich kein einziges Wort verstanden habe. Die Lehrerin spricht schnell und nuschelt. Zudem ist die Klimaanlage laut und der Raum hallt. Ich hab irgendwie noch mitbekommen, dass wir zu Hause „Atmen“ üben sollen.
Mein dritter Kurs ist so etwas ähnliches wie Trainingswissenschaften, in gemütlicher Runde von sieben Teilnehmern.
Drei Veranstaltungen hört sich nicht viel an, die Kurse sind hier allerdings auf mehr Stunden ausgelegt sodass ich mit meinem Portugiesischkurs gut 23 Stunden beschäftigt bin.
Den Kurs „Krafttraining“ habe ich gleich gestrichen. Wer will schon Samstags um 7 in die Uni gehen? Ich nicht. Den Tag habe ich lieber mit Luana und Leo (ihrem Freund) am Strand verbracht. Irgendeinen Vorteil muss die ganze Anstrengung hier schließlich haben.
Donnerstag, 6. August 2009
Die erste Woche
Nach einer Woche unter dem Himmel Bahias sitze ich nun endlich auf meinem eigenen Bett, kratze mir meine mit Mückenstichen übersäten Beine auf und versuche, dem Aufmerksamkeitsdrang der rechts und links von mir sitzenden Tiere gerecht zu werden. Igi und Mimiu sind zwei nicht besonders schöne aber dafür umso anhänglichere kleine hundsähnliche Wesen, die seit gestern zusammen mit drei Katzen zu meinen neuen Haustieren zählen.
Ein kurzer Rüchblick der letzten Tage:
In Rio um fünf Uhr morgens fast noch erfroren, steige ich mittags in Salvador aus dem Flugzeug und laufe gegen eine Wand aus Hitze und Feuchtigkeit. Schwindelig von der schwülen Luft versuche ich die nächste Hürde gleich hinter dem Ausgang nach der Gepäckausgabe zu nehmen – die portugiesische Sprache.

Nach einigen Missverständnissen und ersten Brocken Portugiesisch finde ich Luana, eine Couchsurferin, bei der ich die ersten Tage bleiben kann und die mich vom Flughafen abholt. Zu diesem Zeitpunkt weiß sie noch nicht, dass sie die darauf folgende Woche damit verbringen wird, mein Leben zu organisieren. Und ich weiß noch nicht, dass ich ohne sie in dieser Stadt gnadenlos untergegangen wäre. Von allen Menschen, die ich bisher getroffen habe, ist sie die einzige, die Englisch spricht. Wir verbringen also eine Woche mit vielen Höhen und vielen Tiefen, beschließen sogar, zusammenzuziehen, erleben einige Katastrophen auf dem hiesigen Wohnungsmarkt, geben diese Idee wieder auf, fahren wieder und wieder zur Polizei am Flughafen, bis die netten Beamten der Einwanderungsbehörde keinen Grund mehr finden, uns wieder weg zu schicken. „Ich frag mich, warum sie nicht auch noch deine Zehenabdrücke nehmen“, sagt Luana laut, als ich jeden meiner Finger doppelt und in allen erdenklichen Konstellationen auf Papier drücken muss. Ich kann mich vor Lachen kaum noch halten, der Beamte verzieht keine Miene.

Seit gestern hat Luana ihre wohlverdienten Ferien und meine nächste Mission lautet: Portugiesisch lernen. Und zwar so schnell wie möglich.
Ich verstehe kein Wort. Ab und zu werfe ich mal einen Satz in den Raum und alle gucken mich an, als spräche ich Chinesisch. An der Aussprache muss ich hart arbeiten.

Es kann nur besser werden. Bis dahin weiß ich, wie sich ein Zweijähriges fühlt und muss mit den Hunden als Gesprächspartner Vorlieb nehmen.
Ein kurzer Rüchblick der letzten Tage:
In Rio um fünf Uhr morgens fast noch erfroren, steige ich mittags in Salvador aus dem Flugzeug und laufe gegen eine Wand aus Hitze und Feuchtigkeit. Schwindelig von der schwülen Luft versuche ich die nächste Hürde gleich hinter dem Ausgang nach der Gepäckausgabe zu nehmen – die portugiesische Sprache.
Nach einigen Missverständnissen und ersten Brocken Portugiesisch finde ich Luana, eine Couchsurferin, bei der ich die ersten Tage bleiben kann und die mich vom Flughafen abholt. Zu diesem Zeitpunkt weiß sie noch nicht, dass sie die darauf folgende Woche damit verbringen wird, mein Leben zu organisieren. Und ich weiß noch nicht, dass ich ohne sie in dieser Stadt gnadenlos untergegangen wäre. Von allen Menschen, die ich bisher getroffen habe, ist sie die einzige, die Englisch spricht. Wir verbringen also eine Woche mit vielen Höhen und vielen Tiefen, beschließen sogar, zusammenzuziehen, erleben einige Katastrophen auf dem hiesigen Wohnungsmarkt, geben diese Idee wieder auf, fahren wieder und wieder zur Polizei am Flughafen, bis die netten Beamten der Einwanderungsbehörde keinen Grund mehr finden, uns wieder weg zu schicken. „Ich frag mich, warum sie nicht auch noch deine Zehenabdrücke nehmen“, sagt Luana laut, als ich jeden meiner Finger doppelt und in allen erdenklichen Konstellationen auf Papier drücken muss. Ich kann mich vor Lachen kaum noch halten, der Beamte verzieht keine Miene.
Seit gestern hat Luana ihre wohlverdienten Ferien und meine nächste Mission lautet: Portugiesisch lernen. Und zwar so schnell wie möglich.
Ich verstehe kein Wort. Ab und zu werfe ich mal einen Satz in den Raum und alle gucken mich an, als spräche ich Chinesisch. An der Aussprache muss ich hart arbeiten.
Es kann nur besser werden. Bis dahin weiß ich, wie sich ein Zweijähriges fühlt und muss mit den Hunden als Gesprächspartner Vorlieb nehmen.
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