Sonntag, 16. August 2009

Erste Schritte in der Uni

Da saß ich also letzten Montag morgen, eine halbe Stunde zu früh, sprich um halb sieben (!), auf dem Sportgelände der Uni und wartete verheißungsvoll auf meine neuen Kollegen des Volleyballkurses.
Man mahle sich folgendes Bild: Eine Baracke, davor ein geteertes Basketballfeld. Zwei Fußballtore. Wo in aller Welt wollen die hier Volleyball spielen, fragte ich mich während der halben Ewigkeit, die ich in seliger Einsamkeit auf den Beginn des Unterrichts wartete. Die Antwort kam dann gegen 7 Uhr in Form der eintreffenden Turnlehrerin, die mir sagte, der Volleyballkurs fände in diesem Semester nicht statt, da sich nur vier Leute angemeldet hatten.
Nun gut, werde ich also turnen. Ganz gemütlich bildete ich im Seminarraum der Baracke mit den restlichen Studenten einen Sitzkreis, in dem erst einmal eine Runde Kaffee ausgeschenkt wurde. Jetzt musste ich mir allerdings die nächste Frage stellen? Wo wird hier geturnt? Ich sah weder Matten, noch Bänke oder irgendein Material, das auf die Möglichkeit zur körperlichen Ertüchtigung schließen lässt. Nur ein Steinfußboden. Mit Löchern.
Der Text, den wir bis morgen lesen müssen, erklärt das Ganze ein wenig. Lehrerinnen und Lehrer in Brasilien haben Schwierigkeiten, Turnen in den Unterricht zu integrieren, da ihnen schlicht und einfach das Material fehlt. Fangen wir mit dem Improvisieren also gleich in der Uni an.

Weiter im Stundenplan: Yoga. Zur ersten Stunde am Montagnachmittag erscheint die Lehrerin nicht. Mein Glück, denn ich hatte mir den Magen verdorben und musste mich darauf konzentrieren, nicht neben den Stuhl zu spucken. Mittwoch fand der Kurs dann zwar statt, der Inhalt blieb mir jedoch verborgen, da ich kein einziges Wort verstanden habe. Die Lehrerin spricht schnell und nuschelt. Zudem ist die Klimaanlage laut und der Raum hallt. Ich hab irgendwie noch mitbekommen, dass wir zu Hause „Atmen“ üben sollen.

Mein dritter Kurs ist so etwas ähnliches wie Trainingswissenschaften, in gemütlicher Runde von sieben Teilnehmern.
Drei Veranstaltungen hört sich nicht viel an, die Kurse sind hier allerdings auf mehr Stunden ausgelegt sodass ich mit meinem Portugiesischkurs gut 23 Stunden beschäftigt bin.
Den Kurs „Krafttraining“ habe ich gleich gestrichen. Wer will schon Samstags um 7 in die Uni gehen? Ich nicht. Den Tag habe ich lieber mit Luana und Leo (ihrem Freund) am Strand verbracht. Irgendeinen Vorteil muss die ganze Anstrengung hier schließlich haben.

Donnerstag, 6. August 2009

Die erste Woche

Nach einer Woche unter dem Himmel Bahias sitze ich nun endlich auf meinem eigenen Bett, kratze mir meine mit Mückenstichen übersäten Beine auf und versuche, dem Aufmerksamkeitsdrang der rechts und links von mir sitzenden Tiere gerecht zu werden. Igi und Mimiu sind zwei nicht besonders schöne aber dafür umso anhänglichere kleine hundsähnliche Wesen, die seit gestern zusammen mit drei Katzen zu meinen neuen Haustieren zählen.
Ein kurzer Rüchblick der letzten Tage:
In Rio um fünf Uhr morgens fast noch erfroren, steige ich mittags in Salvador aus dem Flugzeug und laufe gegen eine Wand aus Hitze und Feuchtigkeit. Schwindelig von der schwülen Luft versuche ich die nächste Hürde gleich hinter dem Ausgang nach der Gepäckausgabe zu nehmen – die portugiesische Sprache.



Nach einigen Missverständnissen und ersten Brocken Portugiesisch finde ich Luana, eine Couchsurferin, bei der ich die ersten Tage bleiben kann und die mich vom Flughafen abholt. Zu diesem Zeitpunkt weiß sie noch nicht, dass sie die darauf folgende Woche damit verbringen wird, mein Leben zu organisieren. Und ich weiß noch nicht, dass ich ohne sie in dieser Stadt gnadenlos untergegangen wäre. Von allen Menschen, die ich bisher getroffen habe, ist sie die einzige, die Englisch spricht. Wir verbringen also eine Woche mit vielen Höhen und vielen Tiefen, beschließen sogar, zusammenzuziehen, erleben einige Katastrophen auf dem hiesigen Wohnungsmarkt, geben diese Idee wieder auf, fahren wieder und wieder zur Polizei am Flughafen, bis die netten Beamten der Einwanderungsbehörde keinen Grund mehr finden, uns wieder weg zu schicken. „Ich frag mich, warum sie nicht auch noch deine Zehenabdrücke nehmen“, sagt Luana laut, als ich jeden meiner Finger doppelt und in allen erdenklichen Konstellationen auf Papier drücken muss. Ich kann mich vor Lachen kaum noch halten, der Beamte verzieht keine Miene.



Seit gestern hat Luana ihre wohlverdienten Ferien und meine nächste Mission lautet: Portugiesisch lernen. Und zwar so schnell wie möglich.
Ich verstehe kein Wort. Ab und zu werfe ich mal einen Satz in den Raum und alle gucken mich an, als spräche ich Chinesisch. An der Aussprache muss ich hart arbeiten.



Es kann nur besser werden. Bis dahin weiß ich, wie sich ein Zweijähriges fühlt und muss mit den Hunden als Gesprächspartner Vorlieb nehmen.